Dr. Dominik Spitzer

Online-Apotheken nicht verbieten

CSU und Freie wähler setzen auf Protektionismus statt Wettbewerb

CSU, Freie Wähler und AfD wollen den Versandhandel von verschreibungspflichtigen Medikamenten verbieten. Das ist aber wie das Kind mit dem Bade auszuschütten! Es gibt aktuell das Problem, dass ausländische Versandapotheken auf Medikamente Rabatte geben können und deutsche Standortapotheken an die Arneimittelpreise gebunden sind. Allerdings wird bereits auf Bundesebene nach einer Lösung gesucht. Das Verbot des Versandhandels mag vllt. den Apotheker im Wahlkreis freuen, da er sich der unliebsamen Konkurrenz entledigen kann, für den Verbraucher wäre dies aber kein Vorteil, sondern eine Bevormundung! Lasst die Kunden selbst entscheiden, wo sie ihre Medikamente kaufen möchten!

Hier meine ganze Rede:

"Als Freie Demokraten stehen wir für Patientensicherheit und fairen Wettbewerb zwischen Apotheken und Versandapotheken im In- und Ausland. Fairer Wettbewerb bedeutet aber, Alternativen und Konkurrenten nicht auszuschließen, sondern gleiche Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer herzustellen.Den gesamten Apotheken-Versandhandel zu verbieten, weil es Ungerechtigkeiten mit den Rx-Boni gibt, ist wie das Kind mit dem Bade auszuschütten. Ich bin ja kein Fan von Jens Spahn, aber bei diesem Thema bin ich ganz seiner Meinung. Warten Sie doch erst einmal ab, ob der Weg, ein Rx-Boniverbot ins SGB zu schreiben, der europäischen Rechtsprechung standhält. Auch ist Ihr Verbot der Onlineapotheken aus europarechtlichen Gründen mit vielen Unwägbarkeiten behaftet. Das sind nicht meine Worte, sondern die Ihres Gesundheitsministers. Um eine flächendeckende Arzneimittelversorgung auf dem Land gewährleisten zu können, sollten wir uns darauf konzentrieren die Leistungen, die von den Vor-Ort-Apotheken erbracht werden, besser zu honorieren, anstatt eine ganze Branche zu verbieten. Die geplante Verbesserung auf Bundesebene in Höhe von 150 Millionen Euro z.B. für Not- und Nachtdienste ist hier der richtige Weg. Auch ein Sicherstellungszuschlag sollte diskutiert werden. Die Staatsregierung möchte aber die Augen vor der Realität verschließen und beim Megatrend Digitalisierung den Kopf in den Sand stecken. Diese Vogelstraußtaktik kommt vielleicht beim Apotheker im Wahlkreis gut an, verkennt aber die Chancen des Versandhandels. Oft wird behauptet, dass Onlineapotheken die Medikamentenversorgung auf dem Land bedrohen. Das Gegenteil ist der Fall. Versandapotheken bedeuten für die Menschen auf dem Land, und vor allem für die mit Mobilitätseinschränkung, eine bessere Versorgung. Ein im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstelltes Gutachten kam Ende 2017 zum Schluss, dass der europäische Versandhandel nicht für die wirtschaftlich schwierige Lage vieler Apotheken verantwortlich gemacht werden kann. Der Arzneiversand, der nur gut ein Prozent des Gesamtumsatzes mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland ausmacht, ist eine gute und wichtige Ergänzung der Vor-Ort-Apotheken. Lassen Sie doch die Kunden selbst bestimmen, wo sie ihre Medikamente kaufen möchten und packen Sie lieber die Dinge an, die Sie wirklich auf Landesebene lösen können."